Ausbildung und Berufsstationen oder:
wie kommt man von der Biologie zur Logistik?
Angefangen hat alles mit dem Umzug meiner Eltern. Von der Kleinstadt mit vielen Freunden auf's Land mit Hund. Täglich "Gassi geh'n". Und plötzlich war es da: das Interesse für Naturwissenschaften. Welcher Vogel fliegt da, welche Mikroorganismen schwimmen im See und welche chemischen Analysen geben Aufschluß über den Zustand. Wie setze ich meine Türklinke unter Strom und wann gelingt endlich die Herstellung von Nitroglyzerin im heimischen Keller? Die Berufung stand fest: ich wollte mich den Naturwissenschaften widmen und Gentechnologie betreiben.
Und dabei blieb es. Nach dem Ende der Schule und der Bundeswehr (endlich Geld für ein Auto) ging's zum Studium der Biologie nach Erlangen-Nürnberg. Super, endlich (fast) nur noch Input der mich interessierte. Es hat mich begeistert, ich war erfolgreich. Klar, die Promotion war ein Muss. Von den Bakterien zu den höheren Eukaryonten (also uns, den Menschen). Warum metastasiert Hautkrebs eigentlich so schnell? Interessante Frage, aber warum muss jemand der mehrere Jahre studiert hat, voll gestopft ist mit Wissen und aufregenden Theorien, denn 90% seiner Zeit damit verbringen Zellen von Kulturschalen abzukratzen? Ist das nicht Verschwendung von intellektueller Kapazität? Dass dies in den USA auch nicht anders ist, war wenig tröstlich, ebenso die Aussicht auf weitere Ressourcenverschwendung als Post-Doc. Und Teile der Öffentlichkeit waren damals ja ohnehin der Meinung, dass Gentechnik "Teufelszeug" ist.
So wurde aus einem enthusiastischen, schnell lernenden, analytisch denkenden und strukturiert vorgehenden Biologen ein ebensolcher Unternehmensberater. Dummerweise hatte die schwach entwickelte Biotech-Branche noch keinen Bedarf an Beratern, also landete ich bei einem Chemieindustriekunden. Der hatte ein anderes Unternehmen gekauft und wollte nun integrieren, u.a. die Logistikprozesse und EDV-Systeme. Und weil ich von EDV schon mal was gehört hatte, durfte ich helfen. So kam ich zur Logistik, einer Branche mit erstaunlichen Parallelen zur Biologie. In beiden Bereichen wird produziert, gespeichert, transportiert und konsumiert. Alles geschieht in Netzwerken und einfache schwarz-weiß Antworten gibt es nicht. Toll, meine Leidenschaft für die Logistik war geweckt.
Nach ein paar Jahren analysieren und empfehlen war ich so weit: ich wollte es selbst ausprobieren. Mit einem Freund gründete ich die benelog AG eine Verbindung von IT Dienstleistungen mit der Logistikbranche. Gründerzeiten, herrliche Zeiten! Dynamik pur, 18 Stunden am Tag benelog. Mehr, in kürzerer Zeit, habe ich nie gelernt. Doch jede Zeit hat ihre Köpfe. Nach dem Ende des Booms war es für mich Zeit die Führung abzugeben, um woanders wieder größere Räder schneller zu drehen. In einem großen Einzelhandelsunternehmen bot sich die Chance. Wo sonst werden in kurzer Zeiten solche Massen bewegt und hat die Logistik eine so hohe Bedeutung? Nach einigen Jahren im Internationalen Bereich, übernahm ich die Logistik-Geschäftsführung in Tschechien.